B2B-E-Commerce-Replatforming: Warum ein Plattformwechsel kein reines IT-Projekt ist

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B2B-E-Commerce-Replatforming: Warum ein Plattformwechsel kein reines IT-Projekt ist
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Viele Unternehmen stehen irgendwann vor der gleichen Frage: Ist unsere E-Commerce-Plattform noch die richtige – oder ist es Zeit für einen Neuanfang?

In dieser Episode spreche ich mit Karol Schönsee, einem erfahrenen Experten für B2B-E-Commerce und digitale Transformation, über genau diese Herausforderung. Gemeinsam beleuchten wir, wann ein Replatforming sinnvoll ist, welche Risiken Unternehmen häufig unterschätzen und warum ein erfolgreicher Plattformwechsel weit mehr ist als ein technisches Projekt.

Dabei wurde schnell deutlich: In vielen Punkten sind wir uns einig, etwa bei der Bedeutung einer fundierten Analyse und eines strukturierten Vorgehens. Gleichzeitig vertreten wir bei Themen wie Agentic Commerce, Künstlicher Intelligenz und der Zukunft klassischer E-Commerce-Plattformen bewusst unterschiedliche Ansichten. Genau diese unterschiedlichen Perspektiven machen das Gespräch für mich besonders spannend.

Mein Gast: Karol Schönsee

Karol arbeitet seit 10 Jahren bei CreativeStyle, einem E-Commerce Unternehmen mit über 100 Mitarbeitern, die zu internationalen Smile Unternehmensgruppe gehören und begleitet seit vielen Jahren Unternehmen bei der Modernisierung ihrer digitalen Vertriebsplattformen. Sein Schwerpunkt liegt auf der strategischen Planung und Umsetzung komplexer Replatforming-Projekte. Im Podcast teilt er seine Erfahrungen aus zahlreichen Projekten und zeigt auf, welche Faktoren über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.

Was bedeutet Replatforming eigentlich?

Replatforming wird häufig mit einem Relaunch oder einer technischen Migration gleichgesetzt. Tatsächlich steckt jedoch deutlich mehr dahinter.

Ein erfolgreiches Replatforming bedeutet, die digitale Vertriebsplattform grundlegend weiterzuentwickeln. Prozesse werden hinterfragt, Integrationen neu aufgebaut und bestehende Geschäftsmodelle auf ihre Zukunftsfähigkeit überprüft. Ziel ist nicht lediglich eine neue Software, sondern eine bessere Grundlage für Wachstum, Effizienz und Kundenzufriedenheit.

Wann lohnt sich ein Replatforming?

Ein Plattformwechsel sollte niemals Selbstzweck sein. Entscheidend ist, ob die bestehende Lösung das Unternehmen in seiner Weiterentwicklung behindert.

Typische Anzeichen sind:

  • hohe Wartungs- und Betriebskosten
  • technisch gewachsene Individualentwicklungen
  • fehlende Integrationsmöglichkeiten
  • langsame Weiterentwicklung
  • eingeschränkte Skalierbarkeit
  • unzureichende Unterstützung moderner Geschäftsprozesse

Karol empfiehlt deshalb, jede Investitionsentscheidung auf Basis eines fundierten Business Cases zu treffen und nicht allein aufgrund technischer Argumente.

Meine Sicht: Technologie ist selten das eigentliche Problem

Aus meiner Erfahrung als Berater für Automatisierung im Vertrieb und Kundenservice liegt die eigentliche Herausforderung häufig gar nicht in der Shopsoftware.

Ich erlebe regelmäßig Unternehmen, die davon ausgehen, dass eine neue E-Commerce-Plattform ihre Probleme lösen wird. In der Praxis liegen die Ursachen jedoch meist tiefer: historisch gewachsene Prozesse, Medienbrüche sowie fehlende Integration zwischen ERP, CRM, PIM, Kundenportal und Service.

Deshalb stelle ich zu Beginn eines Projekts immer dieselbe Frage:

Welches Geschäftsproblem möchten Sie eigentlich lösen?

Erst wenn diese Frage beantwortet ist, lässt sich entscheiden, ob ein vollständiges Replatforming überhaupt notwendig ist oder ob sich die gewünschten Ziele durch eine schrittweise Modernisierung der bestehenden Systemlandschaft schneller, kostengünstiger und mit deutlich geringerem Risiko erreichen lassen.

Big Bang oder schrittweise Modernisierung?

Ein weiterer Schwerpunkt unseres Gesprächs war die Frage, wie Unternehmen ein Replatforming umsetzen sollten.

Karol beschreibt die Vor- und Nachteile eines klassischen “Big Bang”-Ansatzes ebenso wie einer inkrementellen Migration.

Ich persönlich bevorzuge – wann immer es möglich ist – eine schrittweise Modernisierung. Viele mittelständische Unternehmen haben über Jahre erhebliche Investitionen in ihre bestehende Plattform getätigt. Dieses Wissen und diese Funktionalität sollten aus meiner Sicht nicht leichtfertig aufgegeben werden.

Moderne Architekturansätze ermöglichen es heute, einzelne Komponenten nach und nach zu ersetzen und neue Funktionen schrittweise einzuführen. Dadurch sinken Projektrisiken erheblich, während gleichzeitig schneller messbarer Nutzen entsteht.

Die vier Phasen eines erfolgreichen Replatformings

Karol beschreibt Replatforming als einen strukturierten Prozess, der aus vier wesentlichen Phasen besteht:

  1. Entscheidung und Business Case
  2. Analyse der bestehenden Systemlandschaft
  3. Konzeption und Umsetzung
  4. Testing, Rollout und Change Management

Ich kann diese Vorgehensweise aus meiner Projekterfahrung nur unterstreichen. Gerade die ersten beiden Phasen werden in vielen Projekten unterschätzt. Wer Anforderungen nicht sauber dokumentiert oder bestehende Prozesse nicht vollständig versteht, legt häufig bereits zu Beginn den Grundstein für spätere Probleme.

Warum Replatforming-Projekte scheitern

Viele Schwierigkeiten entstehen nicht durch Technologie, sondern durch Organisation.

Zu den häufigsten Ursachen gehören:

  • unklare Zielsetzungen
  • unvollständige Anforderungen
  • fehlende Dokumentation
  • fragmentiertes Unternehmenswissen
  • unrealistische Zeitpläne
  • mangelndes Change Management

Technologie lässt sich ersetzen. Fehlende Transparenz in Prozessen dagegen nicht.

Künstliche Intelligenz verändert den B2B-Commerce

Auch beim Thema KI waren wir uns in vielen Punkten einig. Karol sieht Künstliche Intelligenz vor allem als Beschleuniger bestehender Prozesse. Entwickler arbeiten produktiver, Inhalte entstehen schneller und Routineaufgaben lassen sich effizient automatisieren.

Ich glaube jedoch, dass die eigentliche Veränderung noch deutlich größer sein wird.

Meiner Ansicht nach werden sich Unternehmen zunehmend darauf einstellen müssen, dass ihre Kunden Informationen nicht mehr ausschließlich über Navigation und Kategorien suchen, sondern über natürliche Sprache. Diese Entwicklung wird klassische Benutzeroberflächen nachhaltig verändern.

Agentic Commerce – Chance oder Zukunftsmusik?

Ein besonders spannender Teil unseres Gesprächs drehte sich um Agentic Commerce. Ich sehe hier großes Potenzial, allerdings nicht für jeden Anwendungsfall.

Bei Wiederbestellungen oder standardisierten Beschaffungsprozessen können KI-Agenten künftig viele Aufgaben vollständig übernehmen. Wenn Produkte, Preise und Lieferanten bekannt sind, spricht aus meiner Sicht wenig gegen einen weitgehend automatisierten Einkaufsprozess.

Anders sieht es bei Erstbeschaffungen oder komplexen Investitionsentscheidungen aus. Dort bleiben Erfahrung, Verantwortung und fachliche Bewertung entscheidend. Deshalb wird der Mensch nach meiner Überzeugung auch künftig eine zentrale Rolle spielen.

Entsteht ein neuer Commerce Core?

Eine Frage beschäftigt mich besonders: Brauchen wir in Zukunft überhaupt noch klassische E-Commerce-Plattformen in ihrem heutigen Umfang?

Wenn Produktsuche, Beratung, Konfiguration, Kundenservice und Automatisierung zunehmend durch spezialisierte KI-Systeme übernommen werden, könnte der eigentliche Kern einer Commerce-Plattform deutlich schlanker werden.

Ich kann mir gut vorstellen, dass Kundenverwaltung, Preislogik, Warenkorb und Checkout künftig den eigentlichen Commerce Core bilden, während viele andere Funktionen außerhalb der Plattform entstehen.

Gleichzeitig sinken durch KI die Kosten individueller Softwareentwicklung erheblich. Dadurch könnte sich auch die Wirtschaftlichkeit zwischen Standardsoftware und maßgeschneiderten Lösungen grundlegend verändern.

Mein Fazit

Das Gespräch mit Karol hat mich in vielen meiner Einschätzungen bestätigt und gleichzeitig neue Denkanstöße gegeben.

Für mich sind drei Erkenntnisse besonders wichtig:

  • Ein erfolgreiches Replatforming beginnt nicht mit der Auswahl einer neuen Software, sondern mit einer klaren Analyse des eigentlichen Geschäftsproblems.
  • Der größte Erfolgsfaktor liegt in Prozessen, Organisation und Change Management – nicht in der Technologie.
  • Künstliche Intelligenz wird den B2B-Commerce nachhaltig verändern. Vermutlich weniger durch neue Shopfunktionen als durch völlig neue Formen der Interaktion zwischen Menschen und digitalen Systemen.

Ich bin überzeugt, dass wir in den kommenden Jahren einen tiefgreifenden Wandel erleben werden. Genau diese Entwicklungen möchte ich mit B2BTalks begleiten, einordnen und gemeinsam mit meinen Gästen diskutieren.

Kontaktdaten von Karol Schönsee

Sie können Karol Schönsee wie folgt erreichen: